14. Januar 2026

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CO₂-Preis in Deutschland: Wie Verbraucher heute und morgen betroffen sind

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Was bedeutet der CO₂-Preis für Verbraucher?

Der CO₂-Preis, auch CO₂-Steuer genannt, ist eine staatliche Abgabe auf klimawirksame Emissionen beim Verbrauch fossiler Energieträger wie Heizöl, Erdgas, Benzin oder Diesel. Ziel ist es, den CO₂-Ausstoß zu verteuern und so Anreize für klimafreundliche Technologien zu schaffen. In Deutschland wird die CO₂-Bepreisung seit 2021 über das sogenannte Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) geregelt, das zunächst feste Preise vorsieht und schrittweise in ein europäisches Emissionshandelssystem überführt wird. 

Zum Jahr 2026 erhöht sich die CO₂-Abgabe von bisher 55 auf bis zu 65 Euro. Für 2027 soll dieser Preis weitgehend stabil bleiben, weil die Bundesregierung den nationalen Preis zunächst weiterführt angesichts der Verzögerung des neuen EU-Systems. 

Für Verbraucher bedeutet das konkret: Energie aus fossilen Quellen wird teurer. Die Kosten werden in der Regel von den Energieversorgern weitergegeben: Du zahlst also indirekt mehr für das Heizen mit Gas oder Öl, ebenso wie beim Tanken von Benzin oder Diesel. 

Jahr

CO₂-Preis / Tonne

Regelung

Bedeutung für Haushalte

202555€National, FestpreisSpürbare Aufschläge auf Gas & Öl; Gas: +1,19 ct/kWh / Heizöl: +17,5 ct/L
202655–65€National, Preis-KorridorKosten steigen weiter: Gas: bis +1,55 ct/kWh / Heizöl: bis +20,7 ct/L
202755–65€National, Verlängerung wegen ETS2-VerschiebungPause beim Anstieg, aber hohes Niveau bleibt bestehen
2028max. ca. 45–50€ (EU-Startpreis)Start ETS2 (EU-Emissionshandel)Marktpreis entscheidet – potenziell volatile, tendenziell steigende CO₂-Kosten

CO₂-Preis und Energiepreise – ein direkter Zusammenhang


Der Anstieg des CO₂-Preises schlägt sich spürbar in den Preisen fossiler Energieträger nieder:

  • Heizkosten: Gas- und Ölheizungen werden teurer, weil pro verbrauchter Kilowattstunde Brennstoff ein CO₂-Preis fällig wird. Je höher der CO₂-Ausstoß des Energieträgers, desto stärker fällt der Aufschlag aus. 
  • Kraftstoffe: Beim Tanken wirkt sich der CO₂-Preis ebenfalls aus – so wird der Liter Benzin oder Diesel um mehrere Cent verteuert. Die genaue Mehrbelastung hängt von weiteren Faktoren wie dem Rohölpreis ab, aber die Wirkung ist klar: fossile Mobilität verteuert sich schrittweise. 

Folgen für Haushalte und Verbraucher

Höhere Heizkosten für fossile Systeme

Für Haushalte mit Gas- oder Ölheizung führt der CO₂-Preis zu spürbaren Mehrkosten. Je nach Verbrauch können diese – selbst bei moderaten Preissteigerungen – mehrere hundert Euro pro Jahr ausmachen.

Diese Mehrbelastung trifft vor allem die Verbraucher, die noch auf fossile Heiztechnik setzen – also Gas- oder Ölheizungen in älteren Bestandsgebäuden. Das ist ein zentrales Argument für den Umstieg auf effizientere, klimafreundliche Systeme wie Wärmepumpen, die nahezu keine CO₂-Emissionen vor Ort verursachen und deshalb nicht direkt von dieser Abgabe betroffen sind.

Beispiel 1: Gasheizung – durchschnittliches Einfamilienhaus

  • Verbrauch: 20.000 kWh/Jahr
  • Emissionsfaktor Gas: 0,201 kg CO₂/kWh
  • Jahres-CO₂-Ausstoß: 20.000 × 0,201 = 4,02 t CO₂

Beispiel 2: Ölheizung – wenig saniertes Einfamilienhaus

  • Verbrauch: 2.000 Liter/Jahr
  • 1 Liter Öl ≈ 10 kWh → 20.000 kWh/Jahr
  • Emissionsfaktor Öl: 0,266 kg CO₂/kWh
  • Jahres-CO₂-Ausstoß: 20.000 × 0,266 = 5,32 t CO₂
Jahr / SzenarioPreis pro Tonne CO₂Gas: Jährliche CO₂-Kosten (4,02 t)Öl: Jährliche CO₂-Kosten (5,32 t)
202555€ca. 221€ca. 293€
2026–202765€ca. 261€ca. 346€
2028 (Beispiel)50€ca. 201€ca. 266€
2030 (günstiges Szenario)80€ca. 322€ca. 426€
2030 (mittleres Szenario)120€ca. 482€ca. 638€
2030 (teures Szenario)140€ca. 563€ca. 745€

Erläuterung: Aktuelle Einschätzungen gehen für 2030 von moderaten CO₂-Preisen zwischen etwa 50 und 80 Euro pro Tonne aus. Diese Spanne wird häufig von der EU-Kommission als wahrscheinlicher Rahmen genannt. Gleichzeitig zeigen verschiedene wissenschaftliche Szenarien, dass für das Erreichen der EU-Klimaziele (–61 % bis 2030) deutlich höhere Preise von 95–210 €/t im europäischen Emissionshandel (ETS-Sektoren) nötig sein könnten. Sehr hohe Werte in Studien (von bspw. rund 200 €/t) spiegeln aber meist besonders ambitionierte Klimapfade wider. In der Praxis können jedoch flankierende politische Maßnahmen, etwa Förderungen oder soziale Ausgleiche, den tatsächlichen Preisdruck auf Haushalte deutlich abmildern.

Betroffenheit beim Tanken

Auch im Verkehr wirkt der CO₂-Preis. Durch die zusätzliche Abgabe auf Benzin und Diesel steigen die Kosten an der Zapfsäule leicht – der ADAC gibt an, dass die CO₂-Abgabe den Literpreis um mehrere Cent erhöht hat. 

Langfristig ist zu erwarten, dass sich diese Belastung verstärkt, wenn der Marktpreis für CO₂-Zertifikate im Rahmen des europäischen Emissionshandels stärker steigt.

Sozialpolitische Debatten

Weil höhere Energiepreise besonders einkommensschwache Haushalte belasten können, wird intensiv über Ausgleichsmechanismen diskutiert – etwa Klimaprämien oder gezielte Förderprogramme. Bisher fließen die Einnahmen aus dem CO₂-Preis in staatliche Förderprogramme, etwa zur energetischen Sanierung oder für erneuerbare Energien. 

Bedeutung der Verzögerung beim EU-Emissionshandel (ETS2)

Ursprünglich sollte der neue europäische Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr (ETS2) bereits früher starten. Dieser ist als Nachfolger des nationalen CO₂-Preises gedacht und würde Preisbildung über Marktmechanismen zulassen, statt feste nationale Preise vorzugeben.

Durch politische Verhandlungen in der EU wurde der Start auf Januar 2028 verschoben – etwa ein Jahr später als ursprünglich geplant. Für Verbraucher bedeutet das zwar einen kurzfristigen Aufschub bei möglichen Mehrkosten, zugleich geht die Verschiebung aber mit anhaltender politischer Unsicherheit einher, da unklar bleibt, wie sich CO₂-Preise und Förderbedingungen danach entwickeln werden. Eine repräsentative Umfrage von Aira (April 2025) zeigt, dass viele Haushalte die möglichen finanziellen Folgen steigender CO₂-Preise deutlich unterschätzen oder gar nicht einschätzen können. Nur ein sehr kleiner Teil rechnet mit den Mehrkosten, die in ambitionierten Klimaszenarien bis 2030 möglich wären.

Die Verzögerung bedeutet:

  • Der nationale CO₂-Preis bleibt bis einschließlich 2027 entscheidend für Verbraucher. 
  • Der Marktmechanismus des ETS2, der zu stärkeren Preisschwankungen führen kann, tritt später in Kraft. 
  • Diskussionen über künftige Preisentwicklungen und mögliche weitere Anstiege verlaufen langsamer – aber sie sind keineswegs vom Tisch. Langfristige Prognosen gehen davon aus, dass der CO₂-Preis im Europäischen System deutlich höher liegen könnte als heute. 

Warum der CO₂-Preis ein Weckruf für die Wärmewende ist

Für Verbraucher in Deutschland ist klar: Der CO₂-Preis verteuert fossile Energieversorgung zunehmend. Gerade private Haushalte mit alten Gas- oder Ölheizungen tragen diese Kosten – obwohl sie oft nur wenig Handlungsspielraum haben. Gleichzeitig bietet der CO₂-Preis ein starkes wirtschaftliches Signal zum Umsteuern:

Klimafreundliche Heizlösungen entlasten

Wärmepumpen beispielsweise erzeugen Wärme mit Strom, der immer stärker aus erneuerbaren Quellen stammt. Sie stoßen vor Ort fast kein CO₂ aus und unterliegen somit nicht direkt der CO₂-Abgabe für fossile Brennstoffe – was langfristig zu deutlich geringeren Betriebskosten führt. In Kombination mit staatlichen Förderprogrammen kann sich der Umstieg nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch lohnen.

Zukunftssichere Technologie

Während fossile Heizsysteme durch steigende CO₂-Preise und Unsicherheiten im globalen Energiemarkt langfristig teurer werden, sind erneuerbare Systeme wie Wärmepumpen zukunftssichere Alternativen, die unabhängiger von volatilen Brennstoffpreisen sind.

CO₂-Kosten-Checkliste: Was Hausbesitzer jetzt prüfen sollten

1. Energieverbrauch analysieren

  • Letzte Heizkostenabrechnung prüfen
  • Gas-/Ölverbrauch der letzten 2–3 Jahre vergleichen
  • Gebäudeeffizienz (Dämmung, Fenster, Dach) einschätzen

2. CO₂-Kosten bis 2030 prognostizieren

  • Aktuelle CO₂-Kosten berechnen
  • „Was-wäre-wenn“-Szenario: 100–140 €/Tonne CO₂ (Expertenprognose)
  • Abschätzen, wie teuer Heizen mit fossilen Brennstoffen langfristig wird

3. Heizsystem prüfen

  • Alter der Heizung (>15 Jahre = akuter Handlungsbedarf)
  • Abhängigkeit von Preisschwankungen bei Gas/Öl
  • Platzbedarf und Möglichkeiten für Wärmepumpe klären

4. Fördermöglichkeiten checken

5. Wärmepumpe als Absicherung erwägen

  • CO₂-unabhängige Heizkosten
  • Niedrige Betriebskosten durch Strom aus erneuerbaren Energien
  • Keine Preisaufschläge durch CO₂-Bepreisung
  • Zukunftssichere Technologie, die mit steigenden CO₂-Preisen relativ noch günstiger wird

6. Planung & Timing

  • Frühjahr/Sommer als ideale Installationszeit
  • Beratung durch einen Clean Energy Expert 
  • Förderanträge vor Beauftragung der Installation stellen

 

Fazit

Der CO₂-Preis ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Klimapolitik und wirkt sich direkt auf die Kosten fossiler Energieversorgung für Verbraucher aus. Er verteuert das Heizen mit Gas und Öl ebenso wie den Kraftstoffverbrauch – und verstärkt so den wirtschaftlichen Anreiz für klimafreundliche Alternativen.

Die Verzögerung des ETS2 auf 2028 verschafft zwar kurzfristig Planungssicherheit, führt aber nicht zu einer grundsätzlichen Entlastung: Langfristig werden fossile Energien weiterhin verteuert, wenn der Marktpreis für CO₂ im europäischen Handel steigt. Für Verbraucher bedeutet das: Je früher auf effiziente, CO₂-arme Technologien wie Wärmepumpen gesetzt wird, desto eher schützt man sich vor steigenden Energiepreisen – und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz.

CO₂-Kosten-Checkliste: Was Hausbesitzer jetzt prüfen sollten

FAQ zur CO₂-Bepreisung in Deutschland

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